Schesaplana am Lünersee – die Königin im Rätikon

Schesaplana – ein massiver Berg mit einem ungewöhnlichen Namen

 

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Als ich das erste mal das Brandner Tal besuchte, war das oberste Ziel die Schesaplana. Der höchste Berg des Rätikon. 2.965m.
3m grösser als die Zugspitze und als ich oben war, deutlich weniger Trubel. Die Schesaplana liegt an der Grenze Schweiz-Österreich und zählt wohl zu den schönsten Talabschlüssen der westlichen Alpen.

Übrigens die Namensgebung des Berges ist aus der Rätoromanischen Sprache.

Am 22.08.2014 war ich am Gipfel.

Bescheiden sein heißt es.

Ja, bei dem Wetter musste ich bescheiden sein. Beim Aufstieg war es einigermaßen gut. Leider, leider hingen die Wolken in den Bergen und am Gipfel stürmte es. Dafür wurde ich beim Abstieg belohnt. Die Wolken gaben mir freie Sicht auf die umliegenden Berge und dem herrlich glitzernden türkis blauen Lünersee umrahmt von den imposanten Bergen.

Die Erstbesteigung..

..des Berges, so munkelt man, sei 1610 gewesen.

Was trug man damals? Genau. Kniebundhosen, Wollpullover, Windjacken, Bergschuhe aus Leder und man hatte sich mit dem Seil einen Gurt gebunden. Des war’s.

1, 2 oder 3..

..Wege führen zum Gipfel  

1) von Brand über die Douglasshütte am Lünersee und Totalphütte

2) von der Mannheimer Hütte über den Brandner Gletscher

3) aus der Schweiz von der Schesaplanahütte aus

Alles reizvolle Touren. Ich nahm die Route:

Talstation Lünerseebahn 1.568m – Douglasshütte 1.970m vorbei am Lünersee – Totalphütte 2.385m – Schesaplana 2.965m 

Die Tour Numero 2 ist die Klettervariante, Kategorie A/B. Für geübte Bergsteiger kein Problem.

Der malerische Lünersee..

..war einmal ein natürlicher Bergsee. 1959 wurde er mit einer Staumauer versehen und aufgestaut. Seitdem wird das abfließende Wasser des Lünersees für die Stromerzeugung genutzt.
Die Perle des Rätikon, wie der See auch genannt wird, ist einer der größten Bergseen in den Alpen.


Ich starte..
..die Tour am Parkplatz der Lünerseebahn über den sogenannten Bösen-Tritt-Steig. Nein, er ist nicht böse, interessant trifft es eher. Direkt am Felsen windet sich der Steig zum See hinauf auf 1.979m. Im oberen Bereich ist er mit Drahtseilen versichert.

Als ich am Lünersee ankomme, wabert genüsslich der Nebel über dem See und klebte bereits an den Bergen fest. Nicht weit entfernt, etwas östlicher, erkenne ich aber trotzdem noch die Bergstation mit der daneben stehenden Douglashütte.

Wer es entspannter mag, wandert einfach um den herrlichen See (Dauer ca. 2,5 Std) und kann danach auf der Hüttenterrasse diese traumhafte Landschaft genießen.

 

 

Totalphütte

Am See wandere ich zuerst auf dem breiten, ohne Steigung, angelegten Wanderweg Richtung Westen weiter bis zur markierten Abzweigung Totalphütte. Ab hier geht es die ca. 400 Höhenmeter in Serpentinen zur Hütte bergan.

Die Totalphütte liegt auf einem kleinen Plateau in 2.385m Seehöhe. Von der Lünerseebahn Bergstation benötigt man ungefähr 1 bis 1 ½ Stunden.

Auf der großen Sonnenterrasse genießt man eine wundervolle Aussicht auf das atemberaubende Panorama der Silvretta, Verwall und Berninagruppe. Die gemütlichen Stuben der Totalphütte laden zum Verweilen ein. Wer noch eine ursprüngliche Hütte in den Alpen sucht, ohne Schnickschnack und mit einem tollen Team, der ist bei Conny auf der Totalphütte genau richtig.

 

Schesaplanasattel 2.910m

An der Hütte links vorbei geht es nun hinauf zum Schesaplanasattel. Steinig und felsig führt der Schesaplana-Steig mich durch das Geröllfeld bergwärts. Zur rechten Seite ragen imposant die Felswände des Zirmenkopfes 2.760m und Felsenkopfes 2.835m auf.

Zwischendurch schaue ich immer wieder zur Totalphütte zurück, wie sie winziger und winziger wird und bewundere die großartige karstige Landschaft.

Im oberen Bereich sind die Hände wieder mehr zum Einsatz zu bringen. Ein paar ausgesetzte Stellen lassen einen zugreifen. Zuerst geht es an den Felsbändern entlang, die durch ein altes, rostiges Drahtseil gesichert sind. Dann quert der schmale leicht abschüssige Pfad einen steilen Schotterhang. 

Am Sattel angekommen, direkt an der verlaufenden Staatsgrenze AT / CH (wo man unkontrolliert von Österreich in die Schweiz übertritt), sind es nur mehr ca. 50 Höhenmeter über feinem Schotter zum Gipfelplateau.

Von der Totalphütte bis zum Gipfel sind es ungefähr 2h.

Gipfel..

und da bin ich endlich. Nach 1.400 Höhenmeter und ca. 4 Stunden habe ich den Gipfel erreicht.

Was erwartet mich? Nebel, Sturm, keine Sicht. Na Bravo. Kurz reißt ein Nebelfeld auseinander und läßt erahnen wie grandios die Aussicht sein kann. Wer bei Kaiserwetter am Gipfel ist, sieht bis nach Bludenz, sieht zum Brandner Gletscher hinunter, auch die markante Spitze der Zimba wäre nicht zu übersehen.
Wer weiß, vielleicht komme ich ja noch einmal herauf. Dann von einer anderen Seite.

Durch den starken Wind ist das Gipfelkreuz schnell wieder frei für die nächsten Wanderer. Viele verweilen nicht lange am höchsten Punkt und machen sich zum Abstieg auf. So auch ich.

 

 

Und nun beim Abstieg…

..zeigt sich die Blocklandschaft mit glitzerndem See von seiner allerbesten Seite. Es kommt endlich die Sonne durch und ich strahle in diese fantastische Bergwelt. Sieh selbst!

 

 

 

 

 

8 thoughts on “Schesaplana am Lünersee – die Königin im Rätikon

    1. Danke dir 🙂 Das freut mich.
      Dein Bericht ist auch wirklich interessant. Du hattest eine Mehrtagestour unternommen. An dem Tag von Totalphütte über Schesaplana zur Mannheimer Hütte. Das Wetter bei dir war wirklich blöde. Nebel. Bei mir riss es wenigstens komplett auf. Aber trotzdem eine interessante Tour und super Bericht!

  1. Wow! Tolle Tour, und schön beschrieben. Diese Tour muß ich unbedingt auch machen.
    Am Besten wieder mit Zelt oder Biwaksack. (Nächte sind oben in den Bergen aufregend schön)
    Danke für die Innspiration und die klasse Fotos

    Thomas

    1. Und schon hast du eine Tour bei mir für dich entdeckt. Hervorragend 😀 (y)
      Zur Schesaplana am besten bei Kaiserwetter, sonst kann man die herrliche, großartige Aussicht nicht sehen. 😉
      Gezeltet oder biwakiert habe ich bis jetzt noch nicht auf dem Berg. Auch wenn ich es noch nicht gemacht habe, weiß ich, dass es ein Erlebnis sein muss.
      Gerne habe ich dich inspirriert. 🙂

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