Gefrostet, gezuckert – die Gliegerkarspitze 2.577m in der Hornbachkette – Bergtour

Sonnentag = Bergtag (2014-09-23)

Heute ist das Ziel eigentlich die Urbeleskarspitze in den Allgäuer Alpen. Warum das Wort eigentlich? Die Auflösung kommt mitten im Bericht.

Die Urbeleskarspitze 2.632m -Bretterspitze 2.608m – Gliegerkarspitze 2.577m gehören zur 15km langen Hornbachkette, eine Bergkette der Allgäuer Alpen. Sie bieten fulminanten Blick in die Bergwelt. Einfach nur der Hammer.

…und lass dich überraschen vom Wolkenmeer beim Hochvogel.

 

Der Startpunkt ist der kleine herrlich liegende Ort Hinterhornbach auf 1.100m am Fuße des berühmten Hochvogels mit 2.592m.

Das Wetter verspricht heute himmelblau zu werden. Jippi! Los gehts.

Kaufbeurer Haus 2.007m

Die erste Etappe ist die Selbstversorgerhütte Kaufbeurer Haus. Ist bereits bei der Einfahrt auf dem Parkplatz ausgeschildert. Vom Parkplatz kann ich noch nicht die Berge ersehen. Der Nebel hängt zu sehr in den Baumkronen.

Serpentinenartig führt der Waldpfad zuerst durch dichten Wald, dann lichten Wald, durch Latschenhänge über vollkommenes freies Gelände mit Blick auf die Bergpsitzen.  2-2,5 Std sind ca. anberaumt. Schafft man locker.

Höhenmeter-Bänkla

Ich habe keine GPS, keine Höhenmessuhr, aber dafür gibt es auf dem Weg Sitzbänke, die jeweils mit den Höhenmeterangaben versehen sind. Die Bänkla sind auch brav durchnummeriert: Erschts Bänkla, Zwoits Bänkla, Dritts, Vierts und Fünfts Bänkla. Welch lustige Idee!

Obheiter ! ! ! ! ! !  *sprachlos*

Zwischen dem vierts und fünfts Bänkla erlebe ich endlich wieder mal einen „Obheiter“.  Obheiter kennen nur die Allgäuer. Das heißt: Sonne in den Hochlagen und ein Wolkenmeer im Tal. Es ist berauschend. Nebelmeer, bestrahlter Hochvogel, bestrahlte gezuckerte Urbeleskarspitze. Ich kann nicht anders und knipse wie wild.

 

Video wird ebenso gemacht. Das gibt es hier zu sehen: Live

 

Am Fünfts Bänkla 1.845m hat sich der Nebel immer mehr und mehr aufgelöst. Der Blick ins Tal wird frei.

Ein weiterer Wanderer kommt zum letzten Bänkla hinauf. Wir erzählen uns gegenseitig welch herrliches Wetter wir haben und das doch schon die Berge, zu denen wir gehen, gut gezuckert sind. Er will auf die Bretterspitze, ich auf die Urbeleskarspitze. Er erzählt mir auch stolz, er geht seit 45 Jahren in die Berge und macht heuter schon seine 105. Tour. Er zeigt mir seinen aufgerissenen Wanderschuh. „Jep, was für ein Glück“ so sage ich, „dass es heute nicht regnen soll.“

Er hat es etwas eilig, vorher drücke ich ihm aber noch meinen Fotoapparat in die Hand. Wenn er schon da ist, muss er ein Foto von mir und dem Hochvogel machen.

 

Genug geplaudert, der Gipfel wartet auf ihn und schon düst er wieder los. Noch während seines schnellen Wanderganges ruft er mir zu, „Er ist süchtig nach Bergen.“ Ich lächele wohlwissend. Kann ich vollkommen verstehen. Ich auch!!

Ich löse mich nun auch von dem herrlichen Blick vom 5. Bänkla aus und wandere weiter zur Hütte hinauf. Wieder ein Zuruf vom flinken Wanderer alias Wiesel (so nenne ich jetzt). „Die Hütte ist zu sehen, schau da das Kaufbeurer Haus.“ Wie ein kleiner Junge, so freut er sich. „Ja ich kann sie auch sehen. Prächtig.“ 🙂

Die letzten Meter geht es über einen steinigeren Weg zur Hütte bergan.

 

Ich verweile ein paar Minuten an der Hütte und füttere meinen Fotoapaparat. Fantastisch gelegen. Vor mir der Hochvogel, hinter der Hütte die Lechtaler Hornbachkette.

 

Hier überlege ich, ob ich wirklich auf die Urbeleskarspitze gehe. Sie ist gut beschneit und der Aufstieg liegt im Norden und wird somit nicht von der Sonne trocken bescheint. Der Anstieg bereits hoch in die  Schwärzerscharte ist stellenweise glatt und mit Schnee zugedeckt. Auf den rutschigen Steinen muss ich arg aufpassen nicht mal eben auf die Nase zu fallen. Ich sage zur mir, Grödeltime. Ab sofort einpacken. Dann ist das hier ein Kinderspiel.

Ich folge somit den Schneespuren vom flinken Wanderer (alias Wiesel) und sehe aber auch eine zweite Fußspur. Die Fußspuren werden immer deutlicher, da der Schnee immer mehr zunimmt und auch prima die Markierungen verdeckt. Aber der steinige Pfad ist später deutlich zu erkennen.

 

Als ich an der Abzweigung, links zur Bretterspitze, rechts zur Gliegerkarspitze bin, weiß ich, das ich ebenso dem Wiesel folge. Ich schaue ihm nach, wie er immer kleiner und kleiner wird und bald beginnt in der Felswand einzusteigen.

Moment, ich sehe wie er umkehrt und warte daher ab, ob er komplett absteigen will oder einfach den Weg mehr im Süden auswählt. Denn von dort kommt ein anderer Wanderer herab. Der Wiesel begibt sich gen Süden und nimmt den Grat.

Einträchtig schaue ich mir das Absteigen des zweiten Wanderers an sowie das Aufsteigen vom Wiesel und beschließe ebenso den Gipfel zu erklimmen.

Nun heißt es bedächtig hinauf zusteigen. Der Geröllpfad ist beschneit und natürlich auch stellenweise glatt und gespickt mit tiefen Abgründen. Also bete ich, dass Wiesel vor mir keine Steine lostritt und ich natürlich ebenso nicht.

Stück für Stück komme ich gut voran. Ein paar Eisenstangen zum Sicheren Festhalten finden sich auf dem Weg. Beim letzten Stück wendet sich der steinige Weg nach links etwas abwärts und endet vor dem letzten Aufschwung zum Gipfel. Gerade will ich hinauf steigen, kommt auch schon Wiesel wieder herab.

Er sagt, „Das ist mein 305. Gipfel.“ Ich schaue ihn staunend an. Nun will er gleich weiter auf die Bretterspitze hinüber. Ah ja, das schaut irgendwie noch gefährlicher aus. Ich sage, „Er solle gut aufpassen.“ Er meint lapidar, „Dann sterbe ich halt in den Bergen, aber das ist unwahrscheinlich. Zur Sicherheit lass ich meinen Rucksack unten stehen und gehe ohne hinauf.“

Na dann, aufi gehts. Ich die letzten Meter, quer über lockeres Gestein, zum Gipfel der Gliegerkarspitze, der Bretterspitze.

Oben! Was für ein schönes Gefühl.

Was für eine fantastische Aussicht!

Das Bergbuch, noch von 1989, schnappe ich mir gleich. Es ist etwas entfernt vom Kreuz, mehr am Abhang.

Auf der ersten Seite des Buches hat sich ein Wanderer kreativ ausgelassen. Ein weiterer gibt dazu seinen Kommentar ab. Was uns der kreative Durchstreicher sagen möchte ist, dass der Gipfel auf dem das Kreuz steht, lediglich der Vorgipfel ist. Der Hauptgipfel ist ein Gratstück weiter und minimal höher. Ich verweile am Vorgipfel und genieße auch von hier die grandiose Bergsicht!

 

 

 

11 thoughts on “Gefrostet, gezuckert – die Gliegerkarspitze 2.577m in der Hornbachkette – Bergtour

  1. Danke, dass du uns an deinen Bergtouren teilhaben lässt. Mir fehlen sie schon sehr meine Berg hier im Rheinland. ;-I
    Ostern fahr ich wieder nach Tirol 😉
    Lg, Reni

    1. Sehr gerne. Ich freue mich, wenn meine Wandererlebnisse ein wenig Anklang finden :).
      Aus welcher Ecke kommst du ursprünglich, da du schreibst, dir fehlen schon sehr deine Berge?
      Ostern ist ja bald 😉
      LG Conny

      1. Ich komme aus Tirol. Jedes Jahr fahr ich mindestens einmal zu meiner Familie und besuche sie. Am liebsten fahr ich, wenn ich dann auch wandern gehn kann. Schifahren mag ich nicht, aber die Berge ohne Schnee lieb ich. 🙂
        Lieben Gruß
        Reni

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.