Piccolo Lagazuoi 2.778m und Sasso di Stria [Hexenstein] 2.477m

Es wurde höchste Zeit. 

3 Tage wurden geplant. Zum schönsten Bauwerk der Welt, so Reinhold Messner. Wir fuhren zu den „bleichen Bergen“. Für mich das erste mal. Das erste mal in den Dolomiten [Monte Pallidi].

Cortina D’Ampezzo war unser Basislager. Nicht weniger bekannt. Im Ersten Weltkrieg wurde der Ort von dem italienischen Heer besetzt.

Unseren Anreisetag planten wir zur Erkundung der Berge Piccolo Lagazuoi, auf der einen Seite, und dem Hexenstein [Sasso di Stria] auf der anderen Seite der Passtrasse Valparola-Pass 2.192m und Falzarego-Pass 2.105m. Beide Pässe liegen in der Provinz Belluno nahe der Grenze zu Südtirol. Der Pass ist ein Sattel südlich des Dolomiten-Hauptmassivs der Tofane.

Dem Gebirgskrieg auf der Spur

Auf beiden Bergen sind etliche Kriegsspuren zu sehen.

Vom Berg Lagazuoi verteidigten die österreichischen – ungarischen Truppen das Abtei- und Pustertal. Gegenüberliegend vom Hexenstein aus bauten sie ihre defensive Stellung auf. Nachts wurde vom Hexenstein der Lagazuoi beleuchtet, um die italienischen Attacken zu kontrollieren. Enorme Restaurierungsarbeiten zeigen die unglaublichen Werke des 3. Regiments der Kaiserjäger.

Wenn die Sonne lachte und die klare Bergluft um die Gipfel strich, dann war das Leben des Hochgebirgskämpfers ein herrliches Sein, in das der Krieg nur wie ein böser Traum spukte. Wenn aber alle Gewalten des Hochgebirges mit elementarer Wucht auf die Besatzungen losbrachen, dann wurde der Aufenthalt zu einer furchtbaren Hölle, die oft mehr Opfer forderte, als schwere Kampfhandlungen gegen den Feind.

Der furchtbarste, allgegenwärtige Feind des Soldaten im Hochgebirge war die Lawine.

kleiner Auszug aus dem Buch ‚Die Front in Fels und Eis‘ von 1972

Erstes Ziel -> Piccolo Lagazuoi

Unser Parkplatz war unterhalb des Hexensteins, nähe des Valparola-Passes. Mit der Bahn am Falzagero-Pass wollten wir eh nicht hinauf fahren. Is eh klar. 😉 Wer mit der Seilbahn fahren möchte, ist flux in 3 Minuten heroben.

Kurz zum Tourverlauf: Parkplatz Nähe Falzarego-Pass 2.105m – Kaiserjägersteig – Gipfel Piccolo Lagazuoi 2.778m – Lagazuoihütte – Kriegstollen hinab zum Ausgangspunkt – weiter zum Hexenstein

Fakten

Ausgangspunkt: Talstation Lagazuoi-Bahn am Falzaregopass (2.105m)

Strecke: ca. 6.8km

Aufstieg: 700m

Abstieg: 650m

Gipfel: 2.778m

Wir wanderten zunächst querfeldein den Hang hinauf, direkt an den ersten Spuren eines Schützengrabens vorbei, zum Wanderweg 402. Dieser beginnt ab dem Falzarego-Pass. Über Wiesen und später Geröll endet der Pfad an einer Felsrinne und der Kaiserjägersteig beginnt.

Die Rinne ist mit Holzbalken gesichert. Da hier etwas mehr Wanderer unterwegs sind, setzten wir lieber unsere Helme auf, um unbeschadet nach oben zu gelangen. Es folgten drahtseilgesicherte Passagen und eine kleine Hängebrücke. Uhh, kurzes Staunen, nur nicht viel nachdenken, huschte ich flux über die Brücke.

Ein paar flachere Passagen kamen im Anschluss, um einmal den Blick in die Ferne schweifen zu lassen. Immerhin sieht man wunderbar am Horizont die bekannte Marmolada. Ein paar Höhenmeter weiter gelangten wir auf eine Anhöhe und diesmal entfuhr mir ein WOW. Direkter Blick zur Fanesgruppe. Traumhaft anzusehen.

In wenigen Minuten ist das Gipfelkreuz erreicht. Es steht auf einem großen breiten Plateau. Von hier erkennt man die Lagazuoihütte, die einem noch sehr weit weg erscheint, so klein ist sie zu sehen. Zu dieser gingen wir auch weiter, denn an ihr führt der Weg weiter zum Vorgipfel des Kleinen Lagazuoi bei dem der Minentunnel beginnt. Eine Schulklasse konnten wir noch vorab überholen, bevor wir ihnen in dem schmalen Tunnel hinter her gewatschelt wären. 

Das nächste Equipment packten wir aus -> die Stirnlampe. Eine gängige Stirnlampe ist zu empfehlen. Räusper, meine war nicht mehr taufrisch. Hatte vergessen sie vor der Abreise noch zu checken. Aber Handytaschenlampe ging auch zur Not ;-).

Der Tunnel ist fast einen Kilometer lang und in guten Zustand, sodass man hier einer der dramatischsten Schauplätze des Ersten Weltkriegs anschauen kann.  

kleiner Auszug (entdeckt auf der Seite www.ladinia.it)

Der Minentunnel ist in Wirklichkeit ein verworrenes Tunnelsystem, einer der gewagtesten im Großen Krieg.
Abgesehen davon, dass der Tunnel gebaut wurde um die Mine anzubringen, gibt es auch einen Seitentunnel, der den italienischen Truppen nach der Minenexplosion als Ausgang zum Vorgipfel diente. Und aus dem Tunnel der Artillerie schossen die italienischen Kanonen in Richtung Sasso di Stria.
Als dieses grandiose Werk fertiggestellt wurde, wurde dann eine interne Verbindung zwischen allen Teilen des Tunnels und mit dem darunterliegenden Felsband geschaffen. Außerdem wurde ein Schussanlagesystem erstellt, aus dem Schüsse in alle Richtungen abgefeuert werden konnten.
 

Beschildert bebildert Tour Piccolo Lagazuoi

… danach weiter zum Hexenstein

 

Zweites Ziel -> Sasso di Stria; zu deutsch: Hexenstein 2.477m

Da wir noch nicht genug hatten, nahmen wir uns noch den Hexenstein gleich gegenüber auf der anderen Strassenseite vor. Hier gibt es auch so einiges zu entdecken, nicht nur den Gipfelausblick.

Der Gipfel ist nicht so überlaufen wie sein Nachbar der Piccolo Lagazuoi. Es gibt hier keine Sesselbahn, keine Gaststätte.

Woher kommt eigentlich der Name Hexenstein?

Nach kurzem recherchieren, fand ich folgendes. Der Bergname geht auf die Hexe Bayla aus der Dolomitensage „Das Haus im wilden Walde“ zurück. In den verschiedenen Bergtälern der Dolomiten gibt es zahlreiche Erzählungen und Legenden, die von der immensen Kreativität unserer Vorfahren zeugen. Jetzt wissen wir das auch. Mystische Sagen…

Aber nun mal auf den Gipfel…

Vom Kleinen Lagazuoi kommend wanderten wir nach dem Abstieg einmal quer hinüber zum Valparola-Pass und spurten uns auf den schmalen Wanderpfad ein. Ausreichend Markierungen sind vorhanden. Der kurzweilige Weg führt an alte Stollen, Stellungen vorbei oder durch Laufgräben hindurch.

Als wir am Gipfel angekommen sind, kamen mehrere Kletterer die Südseite über die Kletterroute nach oben (IV+ UIAA). Die Kletterroute besteht aus sechs Seillängen und überwindet hierbei 150 Höhenmeter.

Beim Abstieg begutachteten wir einige Stellungen und Tunnel intensiver. Das sogenannte Freilichtmuseum muss man sich schon mal genauer ansehen :).

Fakten

Ausgangspunkt: Valparola-Pass (2.192m)

Strecke: ca. 1.7km

Gipfel: 2.477m

Höhenmeter: 280hm

 

 

Wenn jemand hier Korrekturen oder ein Hallo anzumerken hat, bitte! gerne! 🙂  

Ciao bis zur nächsten Tour 🙂

 

 

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