Der Schlendrian im Bregenzerwald

Sowas aber auch!

Kaiserwetter. Prädistiniert für Gipfelaufstiege. Nach ca. 1,5h, als ich fast am Fusse des eigentlichen Berganstieges ankomme, den Anstiegsweg aber nicht so recht finden will, überkommt mich die Unlust. Unlust für Höhenmeter. Gibt’s denn sowas!

Jep, heute gibt es das. Obwohl ich noch hadere, als ich mich am Wegesrand in die Wiese setze und sonnenbade.

Ein paar Meter höher gelegen befindet sich eine Alm. Der Almbauer kommt just in dem Moment herunter gefahren und hält für einen kurzen Schwatz an. Ein fröhlicher geselliger Almhirte.

Und so kann der Tag weitergehen. Spazieren gehen und schlendern. Ich lasse mich treiben und drehe einfach eine Runde im Vorsäß- /Alpgebiet von Egg.

 

Nu aber von vorn.

Ich suchte mir als Startpunkt den Parkplatz Sausteig heraus, der liegt zwischen Hittisau und Sibratsgefäll.

Fast Punkt 8.00 Uhr wandere ich los. Die Sonne erhebt sich peaux a peaux. Der geteerte Weg bringt mich nach Mähmoos, eine kleine Ortschaft vor Sibratsgefäll, und biegt weiter nach Unterbergvorsäß ab. An fast jeder Kreuzung entdecke ich die Wegweiser, wunderbar.

Bregenzerwald

Impluse folgen

Ein Holzschild mit „Holzsteig auf eigene Gefahr“ zeigt während des Weges nach rechts über die Wiese. Ich erkenne kaum den getrampelten Pfad und bleibe deshalb auf der geteerten Strasse, die nach ca. 5 Minuten vor dem Fluss Subersach jäh endet. Hmm, noch lobte ich die Ausschildrung der Wanderwege und nu keine Spur mehr von Wegweißern.

Auf der Karte ist eine Brücke eingezeichnet, nur wo ist sie in Natura geblieben?

Ich laufe ein paar Meter rechter Hand den Fluss entlang, drehe wieder um und laufe in die entgegengesetze Richtung. Immer Ausschau haltend nach einer Brücke oder den weiterführenden Wanderweg auf der gegenüberliegenenden Uferseit.

Nix zu sehen. Was mache ich, umdrehen oder weiterlaufen? Der Impuls entscheidet und es geht weiter über Geröll am Flussbett entlang.

Was erblicke ich auf einmal? Die Brücke. Etwas entfernt. Somit hätte ich wohl den Holzsteig wählen sollen, dann wäre ich direkt auf die Brücke zugelaufen. Egal. Mein Instinkt hat ja alles gefunden.

Die Freude, die Brücke entdeckt zu haben, mindert sich ein wenig als ich die alte Hängebrücke im Nahen sehe. Ein Schild mit „Betreten auf eigene Gefahr“ hängt am Baum. Ich liebe ja Hängebrücken. Bei einer gewissen Höhe habe ich eine regelrechte Hängebrückenphobie.
Ich schleiche langsam, hoch konzentriert über die Brücke und lasse mich nicht von dem leichten Schaukeln beeindrucken. Und natürlich hat sie gehalten und ist nicht in die ganze 2 Meter Tiefe gestürzt.

Bregenzerwald

Bregenzerwald

Bregenzerwald

Abenteuerlich wandere ich auf schmalen Pfad weiter durch den dunklen Wald, über Wiesen zu den Almortschaften hinauf.

In der Ferne vernehme ich laute Kuhglockengeläute und Rufe eines Almhirten. Es hört sich nicht nach den üblichen Kuhglockengeräuschen an. Sondern welche mit deutlich mehr Größe. Sach bloß, ein Almabtrieb ist in der Nähe. Alle paar Meter drehe ich mich um und schaue auf die andere Seite des Tales. Ich kann immer noch nichts sehen, erst nach einer Weile erkenne ich dann endlich auf der Strasse Richtung Hittisau die Wanderschaft etlicher Kühe. Schön zu sehen 🙂 

Und das soll nicht der einzige Almabtrieb für heute sein.

Bregenzerwald

 

Angekommen im Almgebiet

Es ist ein geschäftiges Treiben in dem Egger Alpengebiet. Der Wanderweg führt mitten hindurch. Bauern fahren mit ihren Jeeps mit Anhänger bergauf bergab, Traktoren tuckern umher, Kühe genießen ihre Freiheiten, queren oder laufen auf den Wanderwegen.

Bregenzerwald

 

Ich schlendere durch Unter-, Rehen-, Hammerats-, Eggatsbergvorsäß nach  Schetteregg.

Übrigens die Unlust überkam mich  in Hammeratsbergvorsäß. Hier geht der Wanderweg zum Bullerschkopf aufi. Mein erste Wanderung hinauf findet ihr hier zum Nachlesen und Reinhören.

Die kleinen Almgebiete liegen zu Füßen des Bergkammes Bullerschkopf – Hohe Kirche – Winterstaude. Einfach idyllisch.

Bregenzerwald

Bregenzerwald

Bregenzerwald

Bregenzerwald

Bregenzerwald

 

Mächtige Ausstrahlung

Auf dem gemüatlichen Wanderweg erteste ich fast jede Sitzbank anhand ihres Ausblicks, beobachte die Kühe und verweile bei einer Kuhherde, die mir besonders gut gefällt.

Bei dieser ist es bunt gemixt: Kühe, Kälber, Bullen, Jungbullen und Ziegen mit ihren Zicklein.

Den Bullen mit seiner kraftvollen Größe und der Macht die er ausstrahlt, beobachtete ich besonders genau. Die Kühe wenden sich rasch ab, sobald der Herr in die Richtung dieser geht und deren Flecken Wiese abfrißt.

Nur einem war es egal, welche Autorität von ihm ausging, und zwar dem Sohnemann. Er tollte zum Herrn Papa und forderte frech seine Spielzeit ein. Was Herr Papa auch gelassen tat.

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Welch Zufall

Ich löse mich von der Herde und spaziere nach Schetteregg. Schetteregg ist bekannt als Skigebiet. Am Ende des Berichtes findet ihr den Link zur Webseite.

Direkt am Ski-/Wanderpark ist der Schetteregger Hof. Als ich über den Parkplatz schlendere, sehe ich etliche Schlepper mit Anhänger stehen. Erneut denke ich, ist heute Almabtrieb? Ich setze mich ein Stück abseits und warte ab, was passieren wird.

Nach ca. 20 Minuten kommt Bewegung ins Spiel. Bauern stellen sich an die Strasse und zäunen die Wiese ab. Vom Berg herab hört man laute Hirtenrufe und als Erwiderung das Blöken der Tiere. Ein kleiner Schafalmabtrieb. Welch Zufall. Hatte gar nicht geplant, heute bei Abtrieben dabei zu sein. Um so schöner, es mitverfolgen zu können.

An meinem Schauplatz halte ich es nicht länger aus und laufe direkt hinüber zu dem Tumult. Ein Bauer steht in meiner Nähe, dem wohl einige Tiere davon gehören. Ich frage ihn wieviel Schafe es sind. 300! „300?“ sage ich erstaunt  „sieht so wenig aus.“

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Wie putzig

Und nun geht alles schnell. Die Hirten laufen aufgeregt um die Schafherde herum, damit auch keine ausbüxt. Die Tiere sind sehr aufgeregt und arg aus der Puste. Alle hecheln und schauen nervös umher.

Zum Entspannen der Tiere werden sie in ein abgezäuntes Wiesenstück geführt. Ganz zum Schluss kommt ein Jeep mit Anhänger vom Berg herab und hat die kostbarste Ware für die Schafmütter im Gepäck. Alle Lämmchen wurden den Berg herunter gefahren. Ein lautes Geblöke als die Schäfchen in die Wiese gesetzt werden. Aber leider braucht es ziemlich lange bis alle Kinder ihre Mutter wieder haben. Viele Schafe laufen herum, schnuppern an den Zicklein und finden ihr Kleines nicht. Auch umgehrt, die kleinen Schafe finden ihre Mutter nicht. Herzzerreisend wie sie zusammen gekauert, sichtlich hungrig da liegen und auf ihre Mutter warten.

Die Hirten schreiten mit ein und versuchen die dazugehörige Mutter zu finden. Aber das Puzzlespiel ist nicht so einfach.

Ich halte es nicht länger aus, dem Puzzlespiel weiter zu folgen und ziehe von dannen. 

 

Mein Wanderweg führt mich an der Strasse von Schetteregg nach Fohren zurück nach Unterbergvorsäß.

Diesmal geht es aber nicht den gleichen Weg zurück über die altertümliche Hängebrücke, sondern durch ein anderes Waldstück, dem sogenanntem Wüstengraben, an dem Staussee vorbei zurück zum Ausgangspunkt Sausteig.

 

Die letzte Bank mit Blick hinüber zur ereignisreichen Wandertour.
Die letzte Bank mit Blick hinüber zur ereignisreichen Wandertour.

 

Service for you

Sibratsgefäll  „Eingebettet zwischen imposanten Bergen in einem weiten sonnigen Talkessel am Rande des Bregenzerwaldes liegt das idyllische Bergdorf Sibratsgfäll.“

Schetteregg „Die zentrale Lage im Bregenzerwald, das preisgünstige und familienfreundliche Kartenarrangement und die bestens präparierten Pisten machen das Skigebiet zu einem beliebten Wintersportgebiet im Bregenzerwald.“

 

 

2015-09-12

2 thoughts on “Der Schlendrian im Bregenzerwald

  1. Servus Conny
    der Bregenzerwald ist wahrlich ein schönes Fleckerl Erde! Du bist in einer Ecke unterwegs gewesen, die ich noch nicht kenne – schön ist es dort.
    Letztes Wochenende sind viele Tiere „Bewegt“ worden und der Rest kommt an diesem Wochenende. Dann wirds still auf den Bergen…liebe Grüsse Erika

    1. Hallo liebe Erika,
      ja so ist es. Ich war eben kurz wandern und stieß auf eine groooße Kuhherde. Das hat so ausgesehen, als ob dies eine Sammelstelle verschiedener Kuhherden gewesen sei. Morgen heißt es nämlich für das Gebiet Almabtrieb.
      Dann kehrt in den Bergen Ruhe ein, wenn man sich nicht in einem Skigebiet verirrt hat ;).
      Liebe Grüße zurück.

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